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Jede Menge Emotionen und Gedanken

 

Wenn es um das Ende der Elternzeit und die Rückkehr in die Arbeitswelt geht, wird es für viele Mütter richtig emotional. Sie machen sich Gedanken über die Betreuung ihres Kindes, wie sie die Mehrfachbelastung von Familie, Haushalt und Arbeit schaffen sollen und wie sie den Alltag neu organisieren. Einigen fällt es schwer, sich so viele Stunden von ihrem Kind zu trennen. Schließlich waren sie viele Monate lang Tag (und Nacht) mit ihm zusammen. Andere freuen sich auf die wiedergewonnene stundenweise Freiheit und Selbstbestimmung (sofern der Arbeitsplatz das zulässt).

 

Nicht nur Stilldemenz und Schlafmangel – Sorgen bei der Rückkehr in die Arbeitswelt

 

Worum es mir heute in diesem Blogbeitrag vor allem geht: Immer wieder erzählen mir Mütter, dass sie eine große Unsicherheit spüren, wenn sie an ihre Rückkehr in die Arbeitswelt denken.

Sie haben Zweifel, ob sie den fachlichen Anforderungen gewachsen sind. Ob sie noch alles wissen, was sie wissen sollten. Ob sie sich mit den Computerprogrammen zurecht finden. Ob sich nicht in der Zwischenzeit ganz viel geändert hat.

Sie kennen die neuen Kollegen oder den neuen Chef noch nicht.

Sie befürchten, dass sie nicht mehr ernst genommen werden, weil sie „nur“ Teilzeit arbeiten. Dass sie jetzt mehr als „Mami“ und weniger als kompetente Mitarbeiterin wahrgenommen werden.

Sie haben Sorge, dass ihr Arbeitgeber ihrem Wunsch nach Stundenzahl und Arbeitszeiten nicht zustimmt. Dabei haben sie nächtelange Planungen hinter sich, um ihre Arbeitszeiten mit denen des Partners und der Betreuung abgestimmt.

Einige fühlen sich wie eine Bittstellerin, wenn sie die Personalabteilung kontaktieren und die Rahmenbedingungen ihrer Rückkehr besprechen möchten.

Dazu kommt die Befürchtung, mit Schlafmangel und Stilldemenz nicht die Leistungen im Job bringen zu können, wie sie es vor der Geburt gewohnt waren.

Ich kann jeden einzelnen dieser Gedanken nachvollziehen. Und natürlich kennen wir alle Geschichten von Freundinnen oder Bekannten, deren Arbeitgeber sie nicht herzlich willkommen haben und bei denen es Schwierigkeiten mit der beruflichen Rückkehr gab. Ich möchte sie nicht leugnen und noch immer gibt es Arbeitgeber, die teilzeitarbeitende Mütter nicht wertschätzen.

Aber noch häufiger gelingt der Wiedereinstieg ganz still und leise und ohne jegliche Probleme. [Das ist ein bisschen wie mit den Geburtsgeschichten. Es sprechen alle nur über die Horrorgeschichten und kaum jemand über die schönen, schmerzfreien und einfachen Geburten.]

 

Hemmungen, den Arbeitgeber zu kontaktieren – auch wenn sie objektiv unbegründet sind

 

Vor einigen Tagen erzählte mir eine Mutter in Elternzeit, dass sie sich nicht traut, ihren Arbeitgeber darüber zu informieren, dass sie früher als vereinbart an ihren Arbeitsplatz zurückkehren möchte. Sie hat erfahren, dass ihre Elternzeitvertretung schwanger ist und demnächst in Elternzeit gehen wird, daher würde es sich anbieten, dass sie vorzeitig ihren Platz wieder übernimmt. Allerdings möchte sie nicht Vollzeit, sondern nur 20 Wochenstunden arbeiten. Daher hat sie Sorge, dass ihr Arbeitgeber diesen Wunsch ablehnen wird. Nun hat sie große Hemmungen, ihn zu kontaktieren, und schiebt die Kontaktaufnahme seit Tagen vor sich her.

Schauen wir uns die Situation doch mal ganz objektiv an: die Argumente sind auf ihrer Seite. Ihr Arbeitgeber hat ein Personalproblem. Er muss die Personallücke, die ihre eigene Elternzeitvertretung mit Beginn ihres Mutterschutzes hinterlässt, wieder füllen. Unsere Mutter ist seine Lösung, da sie vorzeitig zum richtigen Zeitpunkt auf ihre Stelle zurückkehrt. Er wird sich voraussichtlich darüber freuen, weil er sein Problem ganz leicht gelöst hat und Geld spart.

Kann er ablehnen, weil sie „nur“ 20 Wochenstunden arbeiten möchte? Nein, denn sie hat das Recht auf Teilzeit in Elternzeit, da hier alle Voraussetzungen erfüllt sind.* Eigentlich müsste also alles fein sein und die Mutter ihren Arbeitgeber einfach nur über ihren Rückkehrwunsch informieren.

Und trotzdem: ähnliche Rückmeldungen mit dieser (objektiv unbegründeten) Unsicherheit erlebe ich bei Müttern zu diesem Zeitpunkt – an dem es um die Vereinbarung zur Rückkehr geht – immer wieder.

 

Wohin sind das Selbstbewusstsein und der Glaube an uns verschwunden?

 

Ich frage dich und mich: Was ist da los?

Lässt uns das Mutterwerden und die Zeit mit dem Kind zu Hause so unsicher werden?

Wo sind das Selbstbewusstsein und der Glaube an unsere Kompetenzen, Fähigkeiten und unsere berufliche Daseinsberechtigung hin?

Wo kommen all die beruflichen Zweifel und Unsicherheiten her, die vorher nicht da waren?

Auch „toughe Karrierefrauen“ berichten, dass sie diese Zeit in der „Elternzeit-Mama-Bubble“ genießen, in der sich alle wohlgesonnen sind und der Ton weich und liebevoll ist. Das Gegenteil vom sachlichen, hierarchischen und auch konkurrenz-orientierten Umgang, den sie aus der Berufswelt gewohnt sind.

 

Und warum?

 

Ist das ein möglicher Grund: dass wir als Mutter „weicher“ geworden sind und wir Sorge (oder weniger Lust) haben, uns in der sachlich-rationalen Welt wieder zurechtzufinden?

Sind es die negativen Erfahrungsberichte anderer, die uns abschrecken und eine negative Erwartungshaltung hervorrufen?

Oder sind es die Erfahrungen, die wir nach der Geburt gemacht haben, als wir uns zunächst mühsam in dieser neuen Welt des Mama-Daseins zurechtfinden und so viel Neues lernen mussten, dass uns die erneute Umstellung und Rückkehr in das frühere Berufsleben so schwer fällt? Das Berufsleben, das so ein fester Bestandteil unseres „früheren“ Lebens und Teil unserer Identität war und in unserem neuen Familienleben (noch) keine oder nur eine geringere Rolle spielt?

Sicherlich sind die Gründe vielfältig und sehr individuell. Bist du auch davon betroffen, wie geht es dir mit deiner Rückkehr in die Berufswelt? Was lässt dich zögern, wovor hast du Angst?

Hinterlass mir gerne einen Kommentar. Ich bin neugierig.

 

Hinweise:

*Voraussetzungen, um Teilzeit in Elternzeit vom Arbeitgeber verlangen zu können, sind:

  • Du arbeitest schon mindestens 6 Monate bei diesem Arbeitgeber
  • Dort sind mindestens 15 Mitarbeiter beschäftigt.
  • Du möchtest mindestens 2 Monate lang Teilzeit arbeiten mit mindestens 15 und maximal 30 Wochenstunden.

 

 

 

 

Lese-Empfehlung: Was sind die Vorteile und Nachteile von „Teilzeit in Elternzeit“ gegenüber „normaler“ Teilzeit?

Vielleicht ist das für dich interessant? In diesem Blogartikel geht es um die Frage: Was sind die Vorteile und Nachteile von „Teilzeit in Elternzeit“ gegenüber „normaler“ Teilzeit? Schau mal rein. Wenn du vor der beruflichen Rückkehr stehst, wirst du auch mit deinem Arbeitgeber vereinbaren müssen, auf welche Art und Weise das geschehen soll.

 

Austausch mit anderen Müttern

Du siehst, mit deinen Gedanken und Sorgen bist du nicht allein. Steck nicht den Sand in den Kopf, sondern tue etwas dagegen! Dann kannst du die Zeit mit deinem Kind viel besser genießen. Eine Möglichkeit ist der Austausch mit anderen Müttern in ähnlicher Situation. Ich veranstalte regelmäßig Treffen zu wechselnden Themen, u.a. zum beruflichen Wiedereinstieg, der Vereinbarung der verschiedenen Rollen als Mutter, Alltagsorganisation. Ihr redet, ich moderiere. Hier kommst du zu den Veranstaltungsterminen. 

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