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In diesem Blogbeitrag geht es um die Frage, wie viel Elterngeld du als Mutter beim zweiten Kind bekommst, wenn du in der Zwischenzeit nicht gearbeitet hast und die Kinder zeitlich nah beieinander sind.

Konkret geht es um die folgende Frage:

Sonja hat am 17.4.2022 ihre erste Tochter Milla bekommen. Ein halbes Jahr später ist sie erneut schwanger. Der voraussichtliche Geburtstermin für das zweite Kind – Sohn Emilio – ist der 26.8.2023. 

Sonja hat für Milla Basiselterngeld beantragt. Die letzte Elterngeld-Zahlung erfolgt im 12. Lebensmonat (17.3. – 16.4.2023).

Nun fragt Sonja sich, wie viel Elterngeld sie für Emilio erhalten wird. Aufgrund der negativen Aussagen ihrer Freundinnen fürchtet sie, nur den Mindestsatz von 300 Euro zu bekommen, weil sie zwischen den Kindern nicht arbeitet und somit kein Einkommen hat.

Meine Antwort und Empfehlung:

Vorab: Ich habe gute Nachrichten für Sonja! Schauen wir uns das im Detail an…

Grundsätzlich ist für die Höhe des Elterngeldes der individuelle Bemessungszeitraum entscheidend:

Welche 12 Monate zählen bei der Berechnung des Elterngeldes? 

Normalerweise zählen für angestellte Mütter, die Mutterschaftsgeld erhalten, die 12 Kalendermonate vor dem Monat, in dem der Mutterschutz für das zweite Kind beginnt. 

In Sonjas Fall ist der errechnete Geburtstermin für Emilio der 26.08.2023. 6 Wochen vorher, also am 15.07.2023, beginnt der Mutterschutz für Emilio. Der Monat vor dem Juli ist der Juni, insofern wären die Monate Juli 2022 bis Juni 2023 der Bemessungszeitraum für das Elterngeld für Emilio. Das wäre schlecht für Sonja, weil sie in diesem Zeitraum nicht gearbeitet hat.

Nun ist es allerdings – zu Sonjas Glück – so, dass die folgende Ausklammerungs-Regelung gilt: 

Wenn in dem Bemessungszeitraum Elterngeld oder Mutterschaftsgeld für ein älteres Kind bezogen wurde, dann können diese Monate aus dem Bemessungszeitraum ausgeklammert werden und durch frühere Kalendermonate aufgefüllt werden. [Achtung: diese Regelung gilt nur bis zum 14. Lebensmonat des älteren Kindes!]

Konkret bedeutet das für Sonja Folgendes:

Im Zeitraum Juli 2022 bis Juni 2023 bezieht sie bis zum 16.4.2023 Elterngeld. Daher kann sie also die Monate Juli 2022 bis April 2023 ausklammern und durch frühere Monate vor Millas Geburt auffüllen, in denen sie noch Vollzeit gearbeitet und verdient hat. Weil sie in den Kalendermonaten Mai und Juni 2023 kein Elterngeld bezieht, kann sie diese nicht ausklammern. Diese zwei Monate gehen mit 0 Euro Einkommen in die Berechnung ein.

Aber Stopp – es gibt hier Gestaltungsspielraum!

Aktuell ist es Anfang Februar 2023, wir befinden uns im 10. Lebensmonat von Milla. Sonja kann ihre Elterngeldstelle kontaktieren und mitteilen, dass sie ihre beiden letzten Elterngeldmonate (11 und 12) in ElterngeldPlus umwandeln möchte. Das bedeutet, dass sie bis einschließlich Lebensmonat 14 Elterngeld bezieht; ihr Elterngeld-Bezug endet somit am 16.6.2023. Dies hat den großen Vorteil, dass sie auch die Kalendermonate Mai und Juni 2023 ausklammern kann. Somit verschiebt sich der gesamte Bemessungszeitraum für Emilios Elterngeld zurück in die Zeit, bevor Millas Mutterschutz begonnen hat.

Ergebnis: Sonja kann also für Emilio das gleiche Elterngeld wie für Milla erhalten.

Und jetzt kommt noch das Sahnehäubchen: der Geschwisterbonus

Bis zu Millas 3. Geburtstag erhält Sonja zusätzlich den Geschwisterbonus für Emilio. Das bedeutet, dass sie einen Bonus von 10 % auf Emilios Elterngeld erhält: Das sind statt 1.800 Euro Basiselterngeld sogar 1.980 Euro, die sie für Emilio bekommt, obwohl sie zwischen den Kindern nicht gearbeitet hat.

Fazit: Entgegen den negativen Prognosen ihrer Freundinnen bekommt Sonja also nicht den Mindestsatz, sondern erneut den Höchstsatz an Elterngeld sowie den Geschwisterbonus. Das passiert allerdings nicht automatisch, sondern sie muss aktiv werden:

  • Die Elterngeldstelle rechtzeitig informieren und die Umwandlung von Basiselterngeld in ElterngeldPlus beantragen, um den gesamten Bemessungszeitraum ausklammern und verschieben zu können.
  • Die Ausklammerung und Verschiebung des Bemessungszeitraums muss Sonja im Elterngeld-Antrag für Emilio aktiv angeben. Automatisch passiert das nicht. 

Übrigens…

Auch bei der Elternzeit und dem Mutterschaftsgeld für Emilio gibt es ein paar Aspekte, die Sonja positiv beeinflussen kann. Der dazu passende Blogbeitrag folgt in Kürze…

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Weitere Blog-Empfehlung:

Zum Thema “Elterngeld beim 2. Kind” empfehle ich dir auch meinen Blogartikel Wie du mehr Elterngeld beim nächsten Kind erhalten kannst, wenn du vorher nicht 12 Monate lang gearbeitet hast”.

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Sie zeigt euch:

  • die Elterngeld-Lebensmonate und dahinter stehenden Zeiten an.
  • wann wer von euch in Elternzeit ist oder arbeitet und wie hoch das jeweilige Gehalt und Elterngeld sind.
  • welche weiteren Einnahmen ihr in jedem Lebensmonat habt, zum Beispiel Kindergeld und andere Einnahmen.
  • die Summe eurer Einnahmen und Ausgaben und wie hoch in jedem Monat euer finanzielles Plus oder Minus ist.

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