Mir passiert es regelmäßig, dass sich werdende Eltern bei mir mit Fragen zur Elternzeit oder Elterngeld melden, wenn nur noch wenige Wochen (oder Tage!) bis zum Geburtstermin sind. Häufig haben sie dieses Thema lange vor sich her geschoben, verdrängt und gehofft, dass sich ihre Fragen von alleine beantworten. Das ist allerdings selten der Fall! Gerade, wenn es um so individuelle und persönliche Themen geht.

Was ist der Nachteil, wenn werdende Eltern sich so spät mit der Elternzeit auseinandersetzen?

  • Im schlimmsten Fall wird die rechtzeitige Elternzeitanmeldung des Vaters verpasst, der mit dem Datum der Geburt Elternzeit nehmen möchte. 
  • Die werdenden Eltern verpassen wertvolle Möglichkeiten der Elterngeld-Optimierung, die sie während der vielen Schwangerschaftsmonate hätten umsetzen können (z.B. Erhöhung des Einkommens während des Bemessungszeitraums, Steuerklassenwechsel u.a.).‼️
  • Nur wer die Regeln der Elternzeit und der Teilzeit in Elternzeit genau kennt, kann seine Rechte gegenüber dem Arbeitgeber bestmöglich vertreten und stärkt seine Verhandlungsposition. Gerade für Frauen, die nach der Geburt an ihren alten Arbeitsplatz zurückkehren möchten, kann die aktive Mitgestaltung der Elternzeitvertretung sinnvoll sein, um den eigenen Wiederanstieg wunschgemäß umzusetzen. Das ist schwierig, wenn man selber nicht weiß, was man möchte oder was rechtlich möglich ist.
  • Ein ungutes Gefühl der Unsicherheit, ob das vorhandene Wissen und die vielen Tipps aus dem Freundes- und Bekanntenkreis auch für sich selbst zutreffen.
  • Ganz praktisch: welche schwangere Frau hat kurz vor der Geburt die geistige und körperliche Ausdauer, sich zwei Stunden mit ihrem Partner und mir (und ihren Unterlagen, Ordnern und Anträgen) hinzusetzen und konzentriert den vielen Details und to dos zu folgen? Abgesehen davon, dass eine kurzfristige Terminfindung schwierig werden kann.

Da ich immer wieder gefragt werde, wann der richtige Zeitpunkt ist: Ja, ich empfehle, sich so früh wie möglich mit den Regeln der Elternzeit und den verschiedenen Elterngeld-Optionen auseinander zu setzen. Bei der „Planung“ des 2. Kindes kann es sogar sinnvoll sein, sich vor der Schwangerschaft damit auseinander zu setzen, da der relevante Bemessungszeitraum variieren kann. Ich habe auch schon nicht-schwangere Paare beraten. Aber natürlich auch Eltern nach der Geburt, schließlich kann Elterngeld bis zu 3 Monate rückwirkend bezogen werden und Änderungen für den zukünftigen Bezug sind ebenfalls möglich.

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